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In Deutschland leiden rund 8 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen. Etwa ein Viertel davon sind von Nervenschmerzen betroffen.
Ein Leben ohne
Schmer
z
ist nicht denkbar, hat der
Schmerz doch
eine wichtige Warnfunktion und bewahrt uns vor gesundheitlichen Schäden. Auf
der ganzen Welt gibt es aber (sehr wenige) Menschen, die kein
Schmerzempfinden haben. Sie werden aber nicht alt, sie sterben an
Krankheiten, die sie nicht spüren und deshalb auch nicht (rechtzeitig)
behandelt werden können. Beispiel: Blinddarmentzündung. Diese macht sich
durch zunehmenden
Schmerzen im
rechten
Unterbauch
bemerkbar. Die Diagnostik ist einfach, der Blinddarm wird herausoperiert,
der Patient wird wieder gesund und der
Schmer
z ist weg. Unbehandelt (weil z.B. der richtungsweisende
Schmerz nicht
verspürt wird) mündet diese Erkrankung in einen lebensbedrohenden Zustand.
Bleiben wir bei diesem Beispiel. Ein Patient hat starke
Schmerzen im rechten
Unterleib, aber
eine Blind
darm
entzündung oder andere Erkrankungen in diesem Bereich können sicher
ausgeschlossen werden. Jetzt muß daran gedacht werden, daß die für den
Unterleib
zuständigen sensiblen
(= die Empfindung
betreffenden)
Nerven
selbst erkrankt sind und es handelt sich um einen Ne rvenschmer
z
bzw. einen "Nerveneigenschmerz", wodurch eine Affektion
(= Störung/Erkrankung)
im rechten Unterbauch "vorgetäuscht" wird.
Bei Nervenschmerzen liegt eine Funktionsstörung oder
krankhafte Veränderung eines oder mehrerer peripherer
(= nicht im Gehirn oder
Rückenmark befindlicher)
Nerven
vor.
Nervenschmerzen
entstehen durch eine Art Überempfindlichkeit der Nervenzelle. Dies führt
dazu, dass auch schon beim geringstem Anlass (zum Beispiel durch
Berührung) eine
Schmerzempfindung ausgelöst werden kann. Häufig greift diese
Überempfindlichkeit auch auf benachbarte Ner ven über und es
entsteht ein größeres empfindliches Areal.
Bestehen diese krankhaften Nervenreize längerfristig, können sich auch
Veränderungen im
Rücken
mark ausbilden.
Ca. 40% aller Patienten in Schmerzambulanz en und Schmerzkliniken leiden unter Nervenschmerzen (Zenz 1987).
Nervenschmerzen können verschiedene Ursachen haben:
Nachstehend werden entsprechend der aufgeführten Ursachen typische Krankheiten beschrieben und Behandlungsmöglichkeiten aufgezeigt.
ad 1:
Metabolische
(= stoffwechselbedingte)
Stör
ungen
oder Schäd
igungen
verursachen die Nervenschmerzen bei der
Polyneuropathie.
In der Praxis dominieren mit je einem Drittel der Fälle die alkohol
ische und die
diabet
ische
Genese (= Entstehung) (Neundörfer
1988). In unklaren Fällen ist vor allem an exotoxische
(= von außen zugeführte Gifte betreffend)
Ursachen durch Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin u.a.m.)
sowie Gewerbegifte zu denken, daneben kommen endotoxische
(= Gifte die im
Körper selbst entstehen)
(Porphyrie, Urämie) und evtl. infektiöse Ursachen (Borreliose,
Ehrlichiose
nach
Zeckenbiß
bzw.
Zeckenstich) in
Frage.
Die Patienten klagen über brennen
de
Dauerschmerzen
im Versorgungsgebiet peripherer
(= mehr oberflächlicher) Ner
ven,
Parästhesien
(=
Fehlempfindungen),
Hyperästhesien
(= gesteigerte
Empfindlichkeiten für Berührungsreize)
und
Hyperpathien (= Überempfindlichkeiten gegenüber allen örtlichen
Reizen mit erhöhter Reizschwelle),
Druckschmerzhaftigkeit von Ner ven und
Muskeln sowie
evtl. über motorische
(= die Muskelfunktion betreffende) Reizerscheinungen (Cram
pi) (Gerstenbrand et Rumpl
1988). Charakteristisch sind socken- bzw. handschuhförmige
Sensibilitätsstörungen
(= Stör
ungen der Empfindlichkeit).
Die Behandlung dieser Nervenschmerzen erfolgt in erster Linie kausal, also der Ursache entsprechend: bei Diabetes mellitus Optimierung der Zuckereinstellung, bei bei toxischer (= durch Gifte entstandene) Polyneuropathie Verzicht auf „Nervengifte“ wie z.B. Alkohol.
Symptomatische (= auf die Krankheitszeichen ausgerichtete)
Therapie:
Thioctsäure (alpha-Liponsäure) führt zu einer Reaktivierung des
Multienzymkomplexes und möglicherweise zur Bindung diabetischer Ketone.
Neurotrope Vitamine
(= „Nervenvitamine“): Die mehr
oder weniger hochdosierte Verabreichung neurotroper Vitamine ist bei
Polyneuropathien
allgemein üblich. Leider führt diese Therapiemaßnahme in den wenigsten
Fällen zu einer Verbesserung.
Gegen diese Nervenschmerzen wirken am besten sog. Antiepileptika
(= eigentlich
Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei diesen Schmerzen hilfreich).
Als erste Wahl gelten heute Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin
(Lyrica®), als 2. Wahl Carbamazepin (z.B. Tegretal®).
Analgetika
(=
Schmerzmittel): Polyneuropathisch bedingte Nervenschmerzen sind in der Regel
durch Schmerzmittel nur schwerlich günstig zu beeinflussen. Am ehesten ist
noch ein Effekt von zentral wirksamen Analgetika
(= Schmerzmittel die im Rückenmark / Gehirn wirken)
zu erwarten. Aus diesem Grunde ist es nicht möglich, ein sicher wirksames
Medikament zu empfehlen.
Eine Kombination aus Metamizol (z.B. Novalgin®) und Chinin soll relativ
zuverlässig schmerzlindernd sein. Ein Gemisch aus Uridin- und Dinatriumsalze
(Keltican®) kann versucht werden.
Wiederholte Nervenblockaden: Die wiederholte Blockierung (Betäubung) der korrespondierenden Nervenleitungen mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) hat sich bei Nervenschmerzen sehr bewährt. Dabei kommt es neben der (erwünschten) Hemmung der Schmerzreizleitung gleichzeitig zu einer Blockade vegetativer (sympathischer) Faseranteile, woraus eine sehr deutliche Mehrdurchblutung im korrespondierenden Gewebebereich resultiert, die jedem entzündlich/degenerativen Prozeß nachhaltig entgegenwirkt. In diesem Sinne ist diese Behandlung z.B. bei Polyneuropathie nicht nur symptomatisch, sondern auch kurativ (= auf die Ursache ausgerichtet).
ad 2:
Mechanische Schäd
igung:
Nach einer
Nervenverletzung
kann es zu einer
Kausalgie,
neuerdings auch als
CRPS Typ II
(komplexes
regionales Schmerzsyndrom Typ II) bezeichnet, kommen.
Das Krankheitsbild ist charakterisiert durch qualvolle, glühend-
brennende Schmerzen
der betroffenen
Gliedmaße,
auslösbar oder verstärkt schon durch leiseste
Berührung (Allodynie),
evtl. auch entfernter Körperstellen (Synästhesalgie), durch optische
oder akustische Reize, Trockenheit (Xerosalgie), Wärme, Affekte oder
bloße Schmerzvorstellung (Sympsychalgie).
Meist bestehen ferner
Durchblutungsstörungen
und Störungen der Hauttrophik
(= Ernährungs-/Wachstumszustand der Haut).
Die Schmerzausbreitung ist unabhängig vom Innervationsgebiet
(= Versorgungsgebiet eines
Ner
ven),
erfolgt evtl. auch auf die gegenseitige Gliedmaße (Alloparalgie).
Im chronifizierten Stadium sind wiederholte Blockaden
(= Betäubungen)
des betroffenen Nervs mit einem langwirkenden
Betäubungsmittel
hilfreich, optimal sind kontinuierliche
Blockaden mit
Katheter (=
eingepflanztem dünnen Kunststoffschlauch). Letztgenannte Maßnahme sollte aber nur stationär (Schmerzkliniken)
durchgeführt werden.
ad 3:
Eine Ner
venschädigung oder -stör
ung
infolge einer Virusinfektion
liegt bei der sog.
Postzosterneuralgie
(postzosterische
Neuralgie,
postherpetische Neuralgie).
Vorausgegangen ist die
Herpes zoster
-Erkrankung, eine neurodermale
(= Ner ven und Haut
betreffende) Infektionskrankheit.
Der Erreger ist der Her
pes-Varizellen-Virus.
Der Name Zoste
r kommt aus dem Griechischen und
bedeutet „Gürtel“ entsprechend der gürtelförmigen Hautausbreitung am
Körperstamm. Aus diesem Grund wird die Krankheit auch als
Gürtelrose
bezeichnet.
Der
Herpes zoster
befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren
Brustwirbelsäule,
seltener den
Gesicht
s- bzw.
Kopf
bereich (Herpes
zoster ophthalmicus,
Herpes zoster oticus).
Die
Herpes zoster-Erkrankung
beginnt mit brennenden, juckenden Nervenschmerzen im Bereich der
befallenen Nervensegmente und geht mit Sensibilitätsstörungen einher. Schon
die Berüh
rung der Haut im befallenen Bereich
verursacht starke Nervenschmerzen (eine sog. Al
lodynie). Einige Tage später bilden
sich Hauterscheinungen wie rote Flecken, Pusteln und Papeln aus. Diese sog.
Effloreszenzen heilen in der Regel nach 2 - 4 Wochen ab und normalerweise
verschwinden dann auch die Schmerzen wieder.
Wenn die Nervenschmerzen die Hauterscheinungen der
Gürtelrose
überdauern, meistens nach 4-6 Wochen, dann ist die Krankheit in eine
Zoster-Neuralgie
((postzosterische
Neuralgie (PZN))
übergegangen. Der Schmerzcharakter bei der postzosterischen
Neuralgie
wird von den Patienten uneinheitlich beschrieben: anhaltend tief drückend
oder brennend, blitzartig einschießend, stechend und brennend. Teilweise
liegt auch eine Al
lodynie
(= Schmerzauslösung durch an sich nicht schmerzhafte Reize,
z.B. Kleidung) vor.
Die Behandlung ist schwierig und sollte deshalb dem erfahrenen Schmerztherapeuten überlassen werden. Dauerschmerzen, auch in Form von Nervenschmerzen, erfordern praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren:
ad 4: Eine Nervendurchtrennung z.B. im Rahmen einer Amputat
ion
(durch Operation oder Unfall) kann zu
Phantomschmerzen
(= Schmerzempfindung in einem Körperteil, der gar nicht mehr vorhanden ist) führen. Ein
Phantomschmerz
tritt meist unmittelbar nach der Amputat
ion auf. Wir sehen jedoch immer wieder Fälle, bei denen sich
Phantomschmerzen
erst nach Jahren, in Ausnahmefällen sogar erst nach Jahrzehnten, einstellten.
Die Angaben zu Schmerzperiodizität und Schmerzqualität lassen kein
einheitliches Muster erkennen. Bei der Abfrage der Schmerzqualität dominieren
Begriffe wie "brennend", "schneidend" und "wie eingeklemmt". Überwiegend wird
ein attackenförmiger Schmerzverlauf angegeben, wobei die
Schmerzattacken
minuten- bis tagelang dauern können. Bei fast allen Patienten mit einem
Phantomschmerz
liegt eine klimatische Schmerzmodulation
(= Änderung des
Schmerzzustandes) vor.
Bei Amputat
ionen im Bereich unteren
Extremitäten
(=
Beine)
stellen sich in der Regel später auch behandlungsbedürftige Beschwerden an
kontralateralen (=
gegenüberliegenden)
Gelenk
en und an der
Wirbelsäule ein,
bedingt durch unphysiologische (= unnatürliche) Dauerbelastungen.
Gegen
Phantomschmerz
en wirken am ehesten die sog. Antiepileptika
(= eigentlich Mittel gegen die
Fallsucht, aber auch gegen diese Schmerzen hilfreich).
Als erste Wahl gelten heute Gabapentin (z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®),
als 2. Wahl Carbamazepin (z.B. Tegretal®).
Hin und wieder ist auch ein Therapieversuch mit Baclofen (z.B. Lioresal®)
(= Mittel zur
Muskel
entspannung)
erfolgreich.
Unterstützend (selten als einzige Therapie ausreichend) haben sich
schmerzdistanzierende
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depressionen,
aber auch bei diesen Sch
merzen hilfreich)
sehr bewährt. Wir bevorzugen Maprotilin (z.B. Ludiomil®) und Doxepin
(z.B. Aponal®).
Oftmals ist die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika) in Form von
häufig wiederholten Ner
ven- und Leitungsbetäubungen sehr hilfreich. Daß
Phantomschmerzen
tatsächlich im betroffenen Nerv entstehen, und damit auf diese Therapieform
ansprechen und nicht im zentralen Nervensystem, ist inzwischen wissenschaftlich
erwiesen (Quelle siehe
weiter unten).
ad 5:
Zent
rale (= das Rückenmark / Gehirn betreffende)
Stör
ungen
oder Schäd
igungen
sind Ursache für Nervenschmerzen nach einer
Querschnittslähmung
und für den sog.
Thalamusschmerz:
Über den Mechanismus der Schmerzentstehung nach einer
Querschnittlähmung
ist wenig bekannt. Nach Thoden (1987) klagen 50% aller Patienten mit
verletzungsbedingten
Querschnittsläsion
en über störende Mißempfindungen unterhalb der Verletzungsstelle.
Immerhin 27% leiden unter Nervenschmerzen, vorwiegend im Bereich der Be
ine. Teilweise treten auch krampfartige,
viszerale Schmerzen
(=
Eingeweideschmerzen)
im
Bauchraum
auf. Auch vom Verletzungssegment selbst können Schmerzen ausgehen, die oft auf
eine Instabilität zurückzuführen sind. Diese Instabilität kann chirurgisch
behoben werden.
Der Schmerzzustand nach einem kompletten
Querschnitt wird
auch als
Deafferenzierungsschmerz
bezeichnet.
Zur Behandlung von
Nervenschmerzen bei einer Parapleg
ie
(= Lähmung der Bei
ne)
kann die kontinuierliche peridurale
(= rückenmarknahe)
Blockade mit Katheter (= dünner Kunststoffschlauch)
hilfreich sein. Die Einpflanzung des Katheters muß jedoch oberhalb des
geschädigten Segments erfolgen.
Bei Tetrapleg
ie
(= Lähmung der Bei
ne und
Arme)
bedarf die kontinuierliche Per
iduralblockade
oberhalb des geschädigten Segments wegen des erhöhten Risikos einer strengen
Indikationsstellung
(= Abwägung von Nutzen und Risiko).
Medikamentös können Carbamazepin oder Gabapentin bzw. Pregabalin (Lyrica®)(=
eigentlich Mittel gegen die Fallsucht, aber auch gegen diese Schm erzen wirksam), Baclofen und
schmerzdistanzierende
Antidepressiva
sowie
Neuroleptika
(= Mittel das auf die Psyche wirkt)
versucht werden. Gegen die unangenehme Spastik wirkt am besten Baclofen (z.B.
Lioresal®). Falls bei oraler
(= Tabletten-)
Gabe die Nebenwirkungen zu stark werden, kann die rückenmarknahe Verabreichung
mittels eingepflanzter Pumpe (oder Port) in Erwägung gezogen werden. Mittel der
2. Wahl ist Sirdalud.
Bei
Thalamusschmerzen
handelt es sich um ein sog. zentrales
(= das Gehirn betreffendes)
Schmerzsyndrom,
ausgelöst durch Stör
ungen
oder Schäd
igungen in schmerzkontrollierenden Arealen des zentralen Nervensystems
(Thalamus).
Hauptursache ist ein
Schlaganfall (Gehirnschlag,
apoplektischer Insult).
Die betroffenen Patienten klagen in der Regel über heftige Nervenschmerzen in
der herdgekreuzten Körperhälfte (Hem
ialgesie).
Die vorzugsweise brennenden
Dauerschmerzen
können sich attackenartig verstärken. Teilweise liegt eine Al
lodynie (=
Schmerzauslösung durch an sich nicht schmerzhafte Reize)
vor. Fast regelmäßig besteht eine Hyperpat
hie
(= verzögerte Reizantwort, die Schmerzen halten über Reizzeit
hinaus an, bei insgesamt erhöhter Reizschwelle).
Bei der neurologischen Untersuchung findet sich eine
Hemiparese
(=
Halbseitenlähmung)
mit meist guter Rückbildungstendenz.
Motorische (= die
Muskelkraft betreffende) Stör
ungen
(Chorea (= sog. Veitstanz),
Athetose (=
Haltungs-, Tonus- u. Bewegungsstörung))
kommen vor, ebenso die sogenannte Tha
lamushand nach Poeck (die Finger sind im Grundgelenk gebeugt und
in den Interphalangealgelenken
(= Mittelgelenken)
überstreckt, sie zeigen eine Bewegungsunruhe; die Fehlstellung gleicht sich beim
Auflegen der
Hand auf
eine feste Unterlage aus) und eine meist gering ausgeprägte Ataxie
(= funktionelle Stör
ung der
Bewegungsabläufe).
Der Nachweis der zugrunde liegenden
Stör
ung
oder Schäd
igung ist durch Computertomographie,
Angiographie (=
Gefäßdarstellung mit Röntgenstrahlen)
und Kernspintomographie möglich.
Die Behandlung dieser
Nervenschmerzen st selbst für den erfahrenen Schmerztherapeuten
eine große Herausforderung.
Medikamentös kann Carbamazepin (z.B. Tegretal®)
(= ein Mittel gegen die
Fallsucht, aber auch bei Nervenschmerzen wirksam) in aufsteigender
Dosierung bis zu 1500mg /Tag versucht werden (Swerdlow 1984). Gabapentin
(z.B. Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®) wirken oft besser, sind aber auch
deutlich teurer. Phenytoin (z.B. Epanutin®) soll ebenfalls schmerzlindernd sein
(Cantor 1972). Teilweise sahen wir auch mit Baclofen (z.B. Lioresal®)
(= ein im Rückenmark / Gehirn wirkendes Mittel zur Muskelentspannung) eine günstige Wirkung. Ansonsten bleibt oft nur die Verschreibung von
Opiaten.
Teilweise können aber mit
der
therapeutischen Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
beachtliche Erfolge erzielt werden. Nach Austestung mittels diagnostischer
Nervenblockaden (Betäubungen) werden im Extremitätenbereich
(= Arme und Beine) wiederholte Plexus brachialis-, N. femoralis- und/oder
Ischiadikusblockaden durchgeführt, oft sind sie längerfristig nur in der
kontinuierlichen Form mit Katheter
(= eingepflanztem dünnem
Kunststoffschlauch) erfolgreich.
Bei Mitbeteiligung des Gesichtes kommen wiederholte Blockaden der betroffenen
Trigeminusäste in Frage.
Angesichts eines "zentralen Schmerzes"
(= Schmerzen, die im Rückenmark
/ Gehirn entstehen) erscheint die
Durchführung von Nervenblockaden zugegebenermaßen paradox. Wir haben jedoch
festgestellt, daß bei ca. 40-50% der betroffenen Patienten diese Therapie
tatsächlich anspricht und zu einer Schmerzlinderung führt. Möglicherweise wird
durch die zentrale Läsion
(= Stör
ung/Schädi
gung)
teilweise ein peripheres
(= mehr oberflächliches)
Schmerzsynd
rom herbeigeführt, vielleicht indem neurobiologische Mechanismen der
Perzeption (=
Empfindung,Wahrnehmung) durch das
efferente sympathische System
(= weggeleitete Erregungen im unwillkürlichen Nervensystem)
mehr oder weniger ausgeprägt aktiviert werden. Für eine Beteiligung des
sympathischen Systems sprechen auch die Berichte von Loh et al. (1980)
und Nathan (1980), wonach Schmerzen in
Arme und
Beine nach
einer Stör
ung/Schäd
igung des Zentralnervensystems
(= Rückenmark und Gehirn)
durch
Sympathikusblockaden
(= Betäubungen des
unwillkürlichen Nervensystems)
beseitigt oder gelindert werden können. Da die Nervenstämme ((besonders
Pl
exus brach
ialis (=
Nervengeflecht des Armes)) auch
vegetative, sympath
ische Fasern mit sich führen, kann eine
solche Wirkung postuliert werden.
In diesem
Zusammenhang ist folgende Nachricht interessant, denn bisher ging man auch bei
diesem
Schmerz von einer
zentralen (= im Gehirn oder Rückenmark) Schmerzentstehung aus:
http://www.wissenschaft.de/wissen/news/266039.html).
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Aktualisiert: 15.12.2006
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Q
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S
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